Die Entscheidung zur Auswahl des Beizvogels trifft man nicht nur so...

Hat man den Falknerschein in der Tasche, kann man sich einen Beizvogel anschaffen. Aber welcher Vogel soll es sein? Hier spielen mehrere Kriterien eine Rolle. Sie sind wohnort- und revierspezifisch, aber auch eine Frage des eigenen Charakters. Steht ein weiträumiges Revier, bestehend aus Feld und Flur, mit entsprechendem Wild zur Verfügung, darf es ein Falke sein. Ist das Revier eher bewaldet, kommt ein Habicht oder ein Bussard in Frage. Wanderfalke jagt Kormoran

Betreibt man die Falknerei professionell und will Vergrämungsleistungen anbieten, eignet sich eher ein Harris Hawk, weil er sich wegen seines "geselligen" Wesens (er lebt in Gruppen) eher an der Falkner bindet und deswegen auch in eng bebauten Gebieten zum Zug kommen kann.Falkner mit Harris Hawk bei Möwenvergrämung

Aber auch länderspezifische Gesetze spielen eine Rolle. Während in Deutschland viele Falkenarten, Habichte, Bussarde und sogar Steinadler zur Beizjagd genutzt werden dürfen, sind in den Niederlanden nur Wanderfalke, Habicht und Harris Hawk (nur zur Vergrämung) erlaubt.

Will man eine gewisse "Beutegarantie", ist der vielseitige Habicht die erste Wahl, vorausgesetzt man verfügt über ein geeignetes Revier. Er verzeiht aber nicht gerne Fehler, die der Falkner macht.Habicht auf Beute

Dann sind da noch persönliche Präferenzen, so wie bei mir. Ich habe mein Herz an den Sakerfalken verloren. Sein Charakter, die Schnelligkeit und seine Bereitschaft, Beute rasant und ausdauernd zu verfolgen, ist aber in unserer heutigen Zivilisation der Quell von möglichen Problemen. In Nullkommanix ist er im Jagdeifer über eine Autobahn, einen Bachlauf oder ein Gewerbegebiet geflogen und ihm zu folgen wird dann zu Herausforderung. Ohne Telemetrie geht da gar nichts. Trotzdem bin ich mit ihnen glücklich geworden, ich habe mich voll darauf eingelassen.

Jetzt, wo ich mit meinen Sakern älter und weiser geworden bin, würde ich mich für einen Harris Hawk entscheiden und meiner Zukunft eine Wendung geben. Mein Traum ist, mit dem Harris Hawk zu jagen und Tauben oder Krähen zu verscheuchen. Mit meinen Falken würde ich weiterhin Mittelalterfeste besuchen.

Die Wahl des passenden Beizvogels ist also spannend, vernunft- und emotionsgeprägt. Es ist wie mit Autos.
Vernunft: man kauft sich keinen Porsche auf Mallorca,
Emotion: aber Mallorca hat auch einen Racetrack und eine Autobahn, also warum nicht...?