Falknerei, Weltkulturerbe und Diskussion über Beizvogelarten

Askese oder lebendiges Kulturgut?

"Das UNESCO-Immaterielle Kulturerbe umfasst lebendige Traditionen, Bräuche, Darstellende Künste, Handwerkstechniken und Wissen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Im Gegensatz zum materiellen Weltkulturerbe (Bauten/Orte) ist dieses Erbe nicht greifbar, sondern wird durch menschliches Handeln aktiv gepflegt und gemeinschaftsstiftend praktiziert."

Was hat das mit Beizvogelarten zu tun? In Deutschland schwelt eine Diskussion darüber, ob Harris Hawk, Red tailed Hawk und andere nicht heimische Greifvogelarten zur Beizjagd genutzt werden dürfen, da sie in der Geschichte der Falknerei nicht bekannt waren. Im Mittelalter, der Hochzeit der Falknerei, jagte man mit Wanderfalke, Habicht und Sperber. Aber auch nicht heimische Arten wie Gerfalke und Sakerfalke kamen zum Einsatz. Unter damaligen Verhältnissen konnte man Länder wie Norwegen und Ungarn mit Pferd und Schiffen erreichen, so dass man die Vögel importieren konnte.

Da heutzutage in unserer globalisierten Welt Entfernungen keine Hindernisse mehr sind, kommen auch Greifvögel auf den europäischen Kontinent, die auch als Beizvögel in unseren Breiten gut geeignet sind. So haben Rotschwanzbussard und Harris Hawk ihren festen Platz in der europäischen Beizjagd gefunden. Sie kommen mit den hier vorhandenen klimatischen Bedingungen gut zurecht und sind den "klassischen" Beizvogelarten wie dem Habicht doch ebenbürtig, wenn nicht in manchen Aspekten sogar überlegen.

Wie eingangs erwähnt umfasst das UNESCO-Immaterielle Kulturerbe lebendige Traditionen. Diese Traditionen entwickeln sich weiter, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Leben ist Entwicklung. Und auch die Beizjagd lebt und entwickelt sich weiter. Solange der Beizvogel mit Respekt behandelt wird, ist nichts gegen die Vielfalt einzuwenden...

Dass es Entwicklung gibt, zeigt sich auch bei den falknerischen Hilfsmitteln. War im Mittelalter die Bell die einzige Möglichkeit, den Aufenthaltsort des Vogels akustisch wiederzugeben, sind heute Telemetriesysteme in der Lage, den Beizvogel im Umkreis von bis zu 100 km punktgenau zu orten. Wer also Verfechter der Ansicht ist, nur mit einheimischen Greifvögeln zu jagen, weil es im Mittelalter so üblich war, müsste dann konsequenterweise auf Telemetrie verzichten.